Patellofemoraler Schmerz – Wenn das Knie vorne weh tut
Patellofemorale Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Knieschmerzen – sowohl bei sportlich aktiven Menschen als auch im Alltag. Viele Betroffene spüren ein Stechen oder Druckgefühl rund um die Kniescheibe, oft beim Treppensteigen, in der Hocke, bergab oder nach längerem Sitzen.
Was viele überrascht: Die Ursache liegt oft nicht direkt im Knie, sondern im Zusammenspiel von Hüfte, Beinachse und Fuß. Genau deshalb ist der patellofemorale Schmerz zwar komplex, aber gleichzeitig sehr gut behandelbar.
In diesem Beitrag erfährst du, wie diese Schmerzen entstehen, warum Hüfte und Fuß eine so große Rolle spielen und wie eine moderne, erfolgreiche Therapie aussieht.
Was sind patellofemorale Schmerzen?
Patellofemorale Schmerzen sind Beschwerden:
rund um die Kniescheibe
unter der Kniescheibe
oder allgemein im vorderen Kniebereich
Die Schmerzen entstehen, wenn zwischen Kniescheibe (Patella) und Oberschenkelknochen (Femur) etwas aus dem Gleichgewicht gerät – zum Beispiel durch Muskelschwächen, Bewegungsmuster oder Belastung.
Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Diagnose, sondern um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Auch nach Verletzungen, Operationen oder längeren Ruhigstellungen können diese Schmerzen auftreten – das bestätigen sowohl klinische Erfahrungen als auch aktuelle Studien.
Warum entsteht patellofemoraler Schmerz?
Die Forschung zeigt klar:
Patellofemoraler Schmerz ist selten ein reines Knieproblem.
Meist ist die Art, wie du dich bewegst, die eigentliche Ursache.
Typische Einflussfaktoren:
1. Hüft- und Gesäßmuskulatur
Wenn die Hüftmuskeln zu schwach sind, kippt die Beinachse nach innen – das verändert die Bewegung der Kniescheibe und erhöht den Druck im Knie.
2. Fuß und Unterschenkel
Ein abgeflachtes Fußgewölbe, instabile Füße oder Fehlstellungen können die Beinachse verändern und das Knie zusätzlich belasten.
In manchen Fällen können Einlagen eine sinnvolle Ergänzung sein – aber immer gemeinsam mit Training.
3. Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps)
Der Quadrizeps ist wichtig für die Führung der Kniescheibe.
Früher lag der Fokus ausschließlich auf diesem Muskel – heute weiß man: Er ist wichtig, aber nicht der einzige Baustein.
4. Belastung und Bewegungsverhalten
Neue Trainingsarten, schnelle Steigerungen oder langes Sitzen können den Schmerz verstärken.
Wie zeigt sich patellofemoraler Schmerz im Alltag?
Typische Situationen, in denen Schmerzen auftreten:
Treppensteigen, besonders bergab
Kniebeugen oder Hocke
längeres Sitzen („Theater- oder Kinobeschwerden“)
Laufen
Druck auf die Kniescheibe
bergab gehen
Kurz gesagt: Alles, was den Druck zwischen Kniescheibe und Oberschenkel erhöht, kann unangenehm sein.
Was sagt die aktuelle Wissenschaft?
Der wissenschaftliche Stand ist sehr klar:
1. Aktive Therapie wirkt am besten
Funktionelle Übungen, die mehrere Gelenke einbeziehen, helfen besser als reine Knieübungen.
Also: Hüfte, Rumpf, Beinachse und Fuß gehören alle dazu.
2. Kombination aus Hüft- und Knieübungen ist am effektivsten
Besonders hilfreich sind:
Training der Gesäßmuskulatur
Beinachsentraining
Aktivierung des Quadrizeps
Übungen für Stabilität und Koordination
3. Einlagen können helfen – je nach Fußtyp
Vor allem, wenn die Fußfunktion auffällig ist und zur Überlastung beiträgt.
4. Aufklärung ist ein wichtiger Teil der Therapie
Menschen kommen schneller voran, wenn sie verstehen:
warum etwas weh tut
warum Bewegung hilft
dass Schmerz nicht automatisch etwas „Kaputtes“ bedeutet
wie der Heilungsprozess abläuft
Aufklärung nimmt Angst, gibt Sicherheit und macht selbstständiger.
Wie sieht eine gute Behandlung aus?
1. Gründliche Untersuchung
Blick auf die Beinachse
Testen der Hüftmuskulatur
Analyse des Fußes und des Gangbildes
Bewegungsgewohnheiten
Belastungen in Sport, Alltag und Beruf
2. Individueller Trainingsplan
Quadrizeps aktivieren
Hüfte stabilisieren
Beinachse verbessern
Füße kräftigen
Koordination schulen
3. Belastung anpassen
Belastung soll gesteigert, nicht vermieden werden.
Das Knie muss lernen, wieder mehr auszuhalten.
4. Optional: Einlagen
Sinnvoll bei bestimmten Fußtypen – aber immer zusammen mit aktiven Übungen.
5. Aufklärung und Coaching
Du lernst:
warum der Schmerz entsteht
wie du ihn beeinflussen kannst
welche Bewegung dir hilft
warum Geduld wichtig ist
Was kannst du selbst tun?
regelmäßig gezielte Übungen machen
Belastung langsam steigern
vielseitige Bewegung einbauen
gutes Schuhwerk tragen
langes Sitzen vermeiden
Übungen individuell anpassen lassen
Geduld haben – Fortschritte brauchen 6–12 Wochen
Fazit
Patellofemoraler Schmerz ist komplex – aber sehr gut behandelbar.
Die Kombination aus Training, Aufklärung, Hüft- und Fußarbeit und einer guten Analyse bringt die besten Ergebnisse.
Dieser ganzheitliche, aktive Ansatz bildet die Grundlage meiner physiotherapeutischen Arbeit.
Quellen: Die Inhalte dieses Artikels basieren auf deiner eingereichten Reflexion und den darin enthaltenen Literaturquellen, u. a.: • Crossley et al., 2016 • Wallis et al., 2021 • Neal et al., 2024 • Lack et al., 2015 • De Oliveira Silva et al., 2020 • Bakodi, 2018

